Kunst an der Grenze des Möglichen

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Peter Senoner, extreme Kunst und das Werk, das im Klimasimulator von Eurac Research entstand und heute den Eingang von Alpe Pragas prägt.

Ein Gespräch mit Stefan und Peter Senoner

Wer den Eingang von Alpe Pragas betritt, begegnet einem Werk von außergewöhnlicher Präsenz. Zwei Meter hoch, drei Meter breit und in tiefes Kobaltblau getaucht, wirkt die Arbeit von Peter Senoner wie eine Schwelle zwischen zwei Welten. Sie verlangsamt den Blick, zieht den Betrachter in ihren Bann und öffnet einen Raum für Reflexion. Fast scheint die Oberfläche zu atmen.

„Als ich dieses Werk zum ersten Mal sah, habe ich sofort seinen Wert erkannt“, erzählt Stefan Gruber. „Es besitzt die seltene Fähigkeit, einen intensiven Spannungsraum zwischen Verstörung und Schönheit, zwischen Unbehagen und Faszination zu eröffnen. Genau das suche ich in der Kunst.“

Der Urheber dieser Arbeit ist Peter Senoner, 1970 in Bozen geboren und in Gröden aufgewachsen. Seine künstlerische Forschung bewegt sich an den Schnittstellen der Menschen, Natur und Technologie. In seinen Werken entstehen hybride Figuren, schwebende Anatomien und geheimnisvolle Oberflächen, die an biologische Membranen oder Relikte einer zukünftigen Welt erinnern. Hinter ihrer ästhetischen Kraft steht stets die Frage, wie sich das Unsichtbare sichtbar machen lässt.

Das Werk bei Alpe Pragas entstand im Rahmen eines der außergewöhnlichsten Projekte des Künstlers. Ausgangspunkt war eine Zusammenarbeit mit Eurac Research und dem Festival Transart im terraXcube, einem weltweit einzigartigen Extremklimasimulator. Die Anlage kann Bedingungen nachbilden, wie sie in großen Höhen des Himalayas, bei Stürmen, extremer Kälte oder Sauerstoffmangel herrschen.

„Die Wissenschaft verfügte über Daten und Messwerte zum Klimawandel“, erklärt Senoner. „Doch es fehlten Bilder, die erfahrbar machen, was in diesem Raum tatsächlich geschieht.“ Kunst wurde für ihn zum Medium, um wissenschaftliche Erkenntnisse in emotionale Erfahrungen zu übersetzen.

Für das Projekt verlagerte Senoner sein Atelier direkt in das Klimalabor. Über zwei Jahre hinweg bereitete er sich auf die Arbeit in der hermetisch abgeschlossenen Kammer vor, in der der Sauerstoff schrittweise reduziert wird, bis Bedingungen herrschen, die einer Höhe von rund 5.500 Metern entsprechen. Dort entstand eine Werkserie, die nicht nur die Grenzen des menschlichen Körpers auslotet, sondern auch die Wahrnehmung von Raum, Zeit und Umwelt hinterfragt.

Das Werk bei Alpe Pragas ist damit weit mehr als eine Installation. Es ist die sichtbare Spur einer außergewöhnlichen Begegnung zwischen Kunst, Wissenschaft und den extremen Bedingungen einer Welt im Wandel.

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